Camera obscura + lucida


Dachte, ich hätte das schon gepostet, habe ich aber noch nicht. Also dann: Der Vorläufer der Kamera, die „Camera obscura“, wurde bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. erwähnt – vom einem Philospophen. Aristoteles beschrieb in der „Problemata physica“ erstmals die Enstehung eines auf dem Kopf stehenden Bildes, wenn Licht durch ein kleines Loch in einen dunklen Raum fällt. Der Künstler David Hockney vermutet in seinem Buch Secret Knowledge: Rediscovering the Lost Techniques of the Old Masters, dass Künstler wie Ingre, Van Eyck und Caravaggio nicht freihändig arbeiteten, sondern dass die Bilder, die durch einen ungewöhnlich hohen Detailreichtum und Realismus überraschen, mit Hilfe solcher optischen Hilfen entstanden. Es gibt aber viele Künstler, die das ganz anders sehen.

Wie auch immer: 1807 patentierte Wiliam Hyde Wollaston dann die „Camera lucida“, bei der man durch ein Guckloch die Umrisse eines Motivs direkt auf das Zeichenpapier projeziert bekommt. Allerdings hatte Johannes Kepler dieses Gerät bereits 1611 in seiner „Dioptrice“ beschrieben. Besser gut geklaut als schlecht selbst erfunden, sozusagen. Der Anwender kann dadurch gleichzeitig die Umrisse des Motivs und das Papier sehen und das Objekt einfach abzeichnen. Im Grunde ist das eine frühe Form der Augmentet Reality. Nun musste nur noch das projezierte Bild fixiert werden – fertig ist die Fotokamera (= Pinhole Camera). Doch zunächst entwickelte sich die „Camera lucida“ im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts zu einem wichtigen Hilfsmittel in der Entomologie zum genauen Zeichnen des Flügelgeäders von Insekten. BTW: Camera obscura = Lateinisch „Dunkle Kammer“. Camera Lucida = „Helle Kammer“.

Auch heutzutage findet die Camera obscura noch Anwendung: Zum Beispiel im „Altonaer Museum“ (Hamburg), wo ein Live-Bild an der Elbe mit einer großen Camera obscura aufgenommen und in den Eingangsbereich des Museums projeziert wird. Dieser Wikipedia-Eintrag enthält einige andere begehbare Exemplare. Und der Fotograf Abelardo Morell verdunkelt einfach Hotelzimmer u.ä. um sie so in Lochkameras zu verwandeln:

So etwas können wir vom Team ZEUK auch. Tipp: Um auch große Fensterflächen komplett Lichtdicht zu bekommen, bietet sich Alufolie an. Einfach etwas Wasser (evnt. mit etwas Spülmittel) auf die Glasfläche auftragen und die Folie direkt von der Rolle auflegen und mit einem feuchten Schwamm andrücken bzw. Luftblasen herauswischen. Funzt viel besser als Pappe oder Sperrholz, wo meist irgendwo doch etwas Licht durchschimmert. Mal abgesehen von der viel einfacheren Montage und der Tatsache, dass die Projektion umso besser wird, je dünner das Material ist, in dem sich die Öffnung befindet!

Apropos: Die Formel zur Berechnung des Lochdurchmessers lautet „Durchmesser = 1,9 mal Wurzel aus Brennweite mal Wellenlänge des Lichts“ und stammt vom britischen Nobelpreisträger Lord Rayleigh. Er arbeitete daran zehn (!) Jahre und veröffentlichte sie 1891 in seinem Buch „Nature“. Die Wellenlänge des Lichts beträgt ca. 0,00055mm (550 nm) und die Brennweite (in diesem Fall die Entfernung zwischen Loch und Wand) wird ebenfalls in mm angegeben. Bei einer Wand, die z.B. 453cm vom Fenster entfernt ist, ergibt das einen Durchmesser von knapp 3mm (Google Rechner). Das daraus resultierende Bild ist nur nach einer längeren Belichtungszeit gut zu erkennen. Wer das Loch auf mehrere Zentimeter vergrößert, hat ein helleres, aber unscharfes „Livebild“. Hier noch eine schöne Seite zum Thema.

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