Kältemischungen

Heute waren es 34° in Hamburg, da passt das doch wie die Faust aufs Auge: Denn wenn die Limonade pi-warm wird, ist man im FabrikantenStadl natürlich gerüstet. Mitmenschen mit Gastro-Erfahrung kennen den Kochsalz + Eiswürfel-Trick (Mischungsverhältnis ca. 1:3), es gibt aber noch andere „Kältemischungen„. Viel tiefere Temperaturen erreicht man zum Beispiel mit Ethanol & Trockeneis (festes Kohlenstoffdioxid, CO2): Da bewegen wir uns dann schon bei bis zu 90° Grad Minus und können z.B. Blumen wie in flüssigem Stickstoff schockfrosten. Um zu Hause Speiseeis herzustellen, reicht aber schon die Kochsalz-Nummer.

Beispiele:
100g Wasser + 100 g Eis = 0°
100 g Wasser + 74 g Natriumnitrat = -5°
100 g Eis + 33g Kochsalz = -21°
100 g Eis + 28,2g Magnesiumchlorid Hexahydrat = -33°
100 g Eis + 143,9 g Calciumchlorid Hexahydrat = -55°
Alkohol + Trockeneis = -78°
Aceton + Trockeneis = -78°
Ether + Trockeneis = -82°

Da Apotheken heutzutage sehr zickig sind, was die Herausgabe von Chemikalien betrifft, muss man improvisieren: Natriumnitrat (NaNO3) kühlt ja nicht besonders, deshalb lohnt es sich nicht, nach entsprechendem Düngemittel zu suchen. Magnesiumchlorid Hexahydrat (MgCl2 · 6H2O) ist ein Lebensmittelzusatzstoff und wird bei der Herstellung von Tofu verwendet – da solltet ihr keine Beschaffungs-Probleme haben. Calciumchlorid Hexahydrat (CaCl2 · 6H2O) dürft ihr nicht mit dem wasserfreien Calciumchlorid verwechseln: Das wir zB bei Aldi als Trocknungsmittel für den Keller angeboten, ist aber eben KEIN Hexahydrat und besitzt daher eine gegensätzliche Wirkung: Es erwärmt sich! Das ist allerdings prima, um ohne Feuer zu kochen. Anbieter für das Hexahydrat findet ihr hier.

Der Trick bei den Salzmischungen: Sie benötigen Energie, um sich aufzulösen. Diese Energie beziehen sie aus ihrer Umgebung, dadurch sinkt die Temperatur. Gleichzeitig schmilzt das Eis – auch dafür wird Energie benötigt, was zu einem weiteren Absinken der Temperatur führt. Genauere Infos gibts wie so oft bei Prof. Blume.

Eine schöne Ammoniumnitrat-Kühlbox hat sich der Wahlperuaner, Vollchrist und Aussteiger Hans Rüegg mit seinen Kindern gebastelt. Man nehme 2 Dosen und etwas Ammoniumnitrat (NH4NO3) in Form von handelsüblichem Kunstdünger. Schon kann etwas auf -15° Grad abgekühlt werden. So funktionieren auch die „Instant Cold Packs“ von Mueller (siehe Video) oder ähnliche Produkte. Das Mischungsverhältnis ist 1:1, da Dosen rosten, sollte man aber Plastikbehälter verwenden oder Gefrierbeutel.

Da Ammonium-Nitrat zusammen mit Heizöl aber auch einen prima Sprengstoff ergibt, enthalten Kühlbeutel wie InstaKool statt dessen Kohlensäurediamid; auf englisch und lateinisch heißt das „Urea“; auf chemisch CO(NH2)2) und auf gut deutsch… „Harnstoff“. Und so schließt sich der Kreis (beinahe): Aus pi-warm (s.o.) wird pipi-kalt, könnte man sagen. Wenn es HarnSÄURE wäre. Hier ein Video mit einem DIY-Urea-Kühlpack.

Update: Auf dieser Seite gibt es auch noch einige sehr schöne Rezepte – zum Beispiel ein quietschgrünes Gel-Pack mit Palmoliv (siehe Bild)!

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