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Wassertransferdruck


Wer sich schon Mal (wie ich) gefragt haben sollte, wie man Autofelgen mit einer Wurzelholz-Optik versieht, oder Handys rosten lässt, das ist die Antwort: Wassertransferdruck oder “Water Transfer Printing”. Da kann man auch mal seine Hand reinhalten, ob das dann mit einer Ladung Spüli wieder abgeht, bezweifle ich mal. Im Grunde ist das Verfahren mit den guten, alten Abziehbildchen (genauer: Wasserschiebefolien bzw. “Decals”) verwandt – die kennen wir aus unserer Kindheit, als Tatoo zum Aufkleben. Oder aus dem Modellbau.

Das allergeilste: Man kann auch eigene Designs verwirklichen, denn es gibt Transferfolie für den Tintenstrahldrucker (Video), ProStreetGraphics ist der Hersteller/Vertrieb. 100 Folien in Format 21.59cm x 27.94cm (also ähnlich DinA4) kosten 199 US-Dollar, zehn Folien kosten 25 US-Dollar. Auch JetYoung in China ist eine Quelle für so etwas. Hier ein paar weitere Links zum Thema:

UPDATE: Der Aktivator wurde bei wiki.answers.com entschlüsselt:  42% Xylene, 5% Isobutanol, 17% Butyl, 8% B-Butanone, 28% Methyl. Klingt nach Lösungsmittel. Ich stelle mir das so vor: Die Trägerfolie ist ein wasserlöslicher Polyvinylalkohol-Film (PVA, erfunden 1924 von Willi Herrmann und Wolfram Haehnel). Durch das Besprühen mit dem Aktivator wird auch die Farbe wieder flüssig, das Dekor schwimmt auf der Wasseroberfläche. Soweit ich weiß, ist PVA ungiftig und zum Beispiel Bestandteil von Holzleim (“Weißleim”) oder diesem Spezialkleber für Bastelarbeiten (Serviettentechnik, Mod Podge). Das soll auch nur verdünnter (1:1) Holzleim sein.

UPDATE: So Freunde, die Sache hat mir keine Ruhe gelassen, ich musste eine echte DIY-Lösung finden. Zuerst wurde ich ausgerechnet bei den Schmink-Tussis von YouTube fündig: Die nehmen Nagellack, tröpfeln ihn in ein Glas Wasser, tauchen den Nagel ein und machen so einen ganz simplen Wassertransferdruck – der Suchbegriff lautet “Water Marble Nail Art”.

Aber das ist es ja noch nicht wirklich. Was wir neben dem Lösungsmittel (s.o.) brauchen, ist vor allem eine wasserlösliche Folie. Und siehe da: Statt teurem Spezialkram könnte man es mit “Stickfolie” bzw. einer “Stickunterlage” probieren. Die wasserlösliche Version von Madeira heißt Avalon und die gibt es für vergleichsweise kleines Geld (einfach mal bei eBay gucken, Amazon Marketplace: 10m x 0,50 = ca. 17€). Wenn man nun noch diesen Kniff anwendet, um die dünne Folie in den Tintenstrahldrucker zu bekommen, ist man vielleicht ganz kurz davor, alles, aber auch wirklich alles zu bedrucken! Ich werde das Anfang Dezember mal antesten.

Im diesem Video sieht man, wie schnell sich das Zeug auflöst (und dass man das sogar aufsprayen kann – wozu man das wohl gebrauchen könnte?) Jetzt bleibt für Hardcore-Life-Hacker nur noch die Frage: Wie stellt man diese Folie her? 🙂 Vielleicht indem man (wasserlöslichen) Holzleim auf ein Backpapier streicht und trocknen lässt? Neue Info: Laut dieser Näh-Seite besteht das Stick-Vlies von Gütermann-Sulky zu 90% aus Zellulose und zu 10% aus PVA (siehe oben).


UPDATE: Aus China kommt diese Idee: Professor Kun Zhou von der Zhejiang University druckt seine Designs 100%ig passgenau auf eine PVA-Folie – man hat also NULL Verschnitt und spart Geld. Außerdem wird das Design später nicht durch die 3D-Oberfläche verzerrt, da es vorher passend berechnet (stichwort: Anamorphose) und auf einem normalen Inkjet-Printer ausgedruckt wird! Sehr cool. Hier ein Video von der Kun Zhou-Seite, weiterführende Infos zu seiner Technik bietet dieses PDF.

7 Gedanken zu “Wassertransferdruck

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