Textadventures!

Wer jemals vor einem Atari, Amiga oder C64 saß, kennt diese Firma: Magnetic Scrolls. Ihre Textadventures gehörten zum Besten, was die digitale Welt der 80er und 90er hervorbrachte. Knallergrafik, schöne Texte, sehr verständiger Parser. Nun gab es laaaange eine quasi offizielle Magnetic-Scrolls-URL ohne Inhalte und eine Handvoll Fanseiten, die zum Glück jedes Detail dieser Abenteuer-Spiele in das 21. Jahrhundert retteten. Die Spiele, die Handbücher, viele Screenshots, Coverart… Doch nun bin ich endlich über eine Seite gestolpert, wo einer der Magnetic-Scrolls-Gründer (Hugh Steers) hochstpersönlich auspackt. Und er hat gute Nachrichten:

Some years ago, Niclas Karlsson provided the fans of Magnetic Scrolls with a fantastic interpreter that allowed them to play the games on modern computer systems. But while the games got preserved, a lot of the knowledge about the works, technology and achievements of the Magnetic Scrolls team was at risk of falling into oblivion. Until now! Incorporating Niclas Karlsson’s interpreter a widely enhanced engine is created that not only ensures future access to the classic Magnetic Scrolls games, but sets the stage for progress and emergence.

Hugh hat die letzte existierende TK50-Kassette ausfindig gemacht, auf der die originalen DEC-MicroVax-Codes der Firma schlummern. Alleine der Prozess, dieses 80er-Jahre-Magnetband auszulesen ist ne Sensation. Er hat sich zudem mit einem deutschen Über-Fan (Stefan Meier von Magnetic Scrolls Memorial) zusammengetan, um die Spiele für moderne Systeme aufzubereiten. Und, wenn ich das richtig verstanden habe, hat der Programmierer auch vor, Open-Source-Tools zu entwickeln, mit dem wir dann alle eigene Spiele entwickeln können. Also vielleicht so ein wenig wir der „Graphic Adventure Creator“ oder „Inform„? Wäre natürlich schön, wenn auch Cross-Development (aka am PC schreiben, am C64 spielen) eine Option wäre. Ich fürchte allerdings, dass das zu schön ist, um wahr zu werden.

Aber auch andere Mütter hatten schöne Töchter…

Wer sich direkt, ohne Umweg, in ein Text-Abenteuer stürzen will, sollte dieses JavaScript-Spiel (Draculaland) von Robin Johnson ausprobieren. Vielleicht kein Vergleich zu den Originalen mit Klötzchengrafik und Texteingabe (beides gehört IMHO einfach dazu), aber trotzdem auf jeden Fall eine Runde wert! Auch Detectiveland, ein Noir/Detective-Ding ist echt klasse geworden (wohlverdienter 1. Platz bei der IFCOMP 2016). Auch wer die Original-Spiele daddeln will, kann das dank DOS-Box inzwischen online erledigen. Auch „Hitchhikers Guide to the Galaxy“ ist online, yay!

Der Vollständigkeit halber hier noch der Link zu einem älteren Posting (2010) zu diesem Thema. Und hier noch ein paar Infos zum Thema Computer Archäologie.

UPDATE: Wie krass, es gibt seit 2016 tatsächlich eine Textadventure-Schnittstelle zu Amazon Alexa! Wusste ick ooch noch nicht. Hier gibt es eine schöne Übersicht und Amazon hat auch etwas gepostet.

UPDATE: Ein eigenes 8-Bit-Adventure programmieren, so richtig mit flinken Fingern auf harter Tastatur? Kein Problem dank des englischen Usborn-Verlages, der seine 80er-Jahre-Bücher zum Thema als PDFs online gestellt hat! Darunter „Write your own Adventure Programs for your Microcomputer„, wo man sieht, dass das keine Zauberei ist, sondern in erster Linie mit Arrays, Flags und BASIC zu tun hat! Auch kommerzielle Spiele sind so entstanden und die extrem gut kommentierte – und illustrierte – Anleitung richtet sich an diverse 80er-Jahre-Rechner (C64, VC20, Spectrum, BBC Micro, Dragon…)

usborn books

Es handelt sich allerdings nur um ein Mini-Adventure, dass in 16 kb passt – die „Beschreibung“ eines Ortes ist eher eine Ortsangabe („Room with Inches of Dust“), das ist also wirklich nur als kleine Übung zu verstehen. Deutlich mehr gibt das Buch Create Adventure Games on your Computer (PDF, via Scribd) von Tim Hartnell her:

1-ed70dea645bookHartnells Anleitung erzeugt Adventures mit RPG-Einschlag: Man hat also Status-Werte und kann in Shops einkaufen. Gut zu wissen, wie man sowas programmiert. Auch sehr lesenswert und leicht verdaulich geschrieben: Spectrum Adventures. Es geht – trotz des Titels – um rogue-likes, siehe zB. die Gratis-App (inkl. Source Code!) Pixel Dungeon. Also wenig Text, aber 100e von Räumen und viele Mini-Monster. Beide Bücher nutzen BASIC, man kann hier SEHR viel für eigenen Projekte lernen!

Update: Recht professionell ist IMHO das Adventure „Nightmare Planet“ geraten, das in dem Buch „A Guide to Playing and Writing Adventures“ von Mike Grace gelistet ist. Man kann zu Beginn seinen eigenen Namen eingeben; die Texte sind ausführlicher; es gibt eine stattliche Hilfsfunktion und einen Text-Neuaufbau in jedem Raum – was ich sehr übersichtlich finde. Na, schaut es euch einfach mal an:

Update: Und noch ein sehr empfehlenswertes Buch, diesmal sogar auf deutsch: „Adventures und wie man sie programmiert“ des Informatikers Jörg Walkowiak. Es enthält nicht nur die Listings für zwei Abenteuer, sondern auch für einen Editor + Interpreter – was die Erstellung weiterer Abenteuerspiele deutlich vereinfacht!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s